Kultur | 17.11.2016

Der israelische Autor Etgar Keret ist für seine Erzählgabe, aber auch für seinen Humor und Charme bekannt

Der israelische Autor Etgar Keret ist für seine Erzählgabe, aber auch für seinen Humor und Charme bekannt
Foto: Stephan Röhl, flickr | CC BY-SA 2.0

Warum der Autor Etgar Keret nicht auf Hebräisch schreiben wollte

Er ist weltweit einer der am meisten geschätzten Autoren Israels – aber Etgar Keret lehnte es längere Zeit ab, sein neues Buch auf Hebräisch zu veröffentlichen. Ein Familienmitglied war der Grund.

ST. PETERSBURG (inn) – Der israelische Erfolgsautor Etgar Keret pflegt schon eine besondere Beziehung zu seinem Heimatland. Jedenfalls ist das der Eindruck zahlreicher Israelis, die sich wundern, dass Kerets neues Buch „Die sieben guten Jahre“ – noch bevor es auf Hebräisch erschien – in persischer Sprache zu lesen war. Auf einer jüdischen Konferenz in St. Petersburg erzählte Keret von der Erfahrung bei einem Podiumsgespräch vor 600 Gästen, wie die Tageszeitung „Ha‘aretz“ berichtet.

Die sehr persönliche Kurzgeschichtensammlung „Die sieben guten Jahre“ sollte zuerst nicht in Kerets Muttersprache veröffentlicht werden. Im Buch geht es um sein Leben als Vater und als Sohn. Es beginnt damit, wie sein Sohn Lev im Krankenhaus während eines Terroranschlags geboren wird. Es endet mit dem Tod von Kerets Vater, der an Krebs stirbt.

Als Verräter beschimpft worden

„Irgendwie ist in Israel immer alles politisch“, sagte Keret auf der dreitägigen Veranstaltung in St. Petersburg, zu der die Organisation „Limmud FSU“ geladen hatte. Die Organisation kümmert sich um junge russische Juden. Ihr Ziel ist es, diese jungen Menschen mit Kulturveranstaltungen an ihre jüdischen Wurzeln heranzuführen.

„Die Tatsache, dass mein Buch zuerst auf Englisch und dann in Sprachen wie Persisch oder Türkisch herausgekommen war, brachte mir in den Sozialen Medien zahlreichen Ärger mit Israelis ein“, erzählte Keret. Als Verräter sei er beschimpft worden, als jemand, der die Iraner mehr liebe als seine eigenen Leute. Kerets Reaktion darauf war: „Wenn jemand kommt, der mich verprügeln will, muss er es erst mit meinem zehnjährigen Sohn aufnehmen, der mich beschützt.“

Sohn Lev besaß Veto-Recht

Kerets Sohn Lev spielte nämlich eine entscheidende Rolle bei der Tatsache, dass „Die sieben guten Jahre“ vorerst nicht auf Hebräisch erschien. Keret erzählte, wie er seinem damals siebenjährigen Sohn ein Versprechen gab. Die Kurzgeschichten waren nämlich im Gegensatz zu seinen früheren Werken so persönlich, dass Lev darin häufiger als Protagonist auftrat: „Da ich so persönlich über meine Familie geschrieben habe, gab ich Lev ein Veto-Recht.“ Wenn der Junge wollte, würde das Buch nicht in hebräischer Sprache erscheinen.

„Nein, ehrlich gesagt sehe ich nicht ein, warum die ganze Welt mich kennenlernen sollte“, sagte Lev. „Was ist, wenn ich das Buch auf Englisch schreibe und es so bei uns keiner lesen kann?“, erwiderte Keret. „Ich denke, das geht in Ordnung“, antwortete sein Sohn. „Ich kenne nämlich niemanden, der nicht in Israel lebt.“

Etgar Keret schrieb sein Buch in englischer Sprache, wohlwissend, dass in Israel nahezu jeder diese Sprache beherrscht. Aber er hielt sein Versprechen. „Die sieben guten Jahre“ ist seitdem in 15 Sprachen übersetzt worden, darunter inzwischen auch ins Hebräische. (mm)

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