Kultur | 14.11.2016

Stefan Zweig im Jahr 1912

Stefan Zweig im Jahr 1912
Foto: gemeinfrei/United States public domain

Unbekannte Briefe von Stefan Zweig in israelischem Museum

In Israel sind bisher unbekannte Briefe des jüdisch-österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig aufgetaucht. Damit eröffnet sich eine neue Perspektive auf das Leben des Literaten. Die Israelische Nationalbibliothek zeigt die Schriftstücke der Korrespondenz.

JERUSALEM (inn) – Mehr als 70 Jahre nach seinem Tod: Bisher unbekannte handschriftliche Briefe des jüdisch-österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig sind nun in Israel aufgetaucht. Die Schriftstücke stammen aus dem zwölfjahrigen Briefverkehr Zweigs mit dem jüngeren jüdischen Autoren Hans Rosenkranz, der in Königsberg geboren wurde. Das teilte die Israelische Nationalbibliothek in Jerusalem mit, die in der kommenden Woche am Mittwoch eine Veranstaltung zu Ehren des Autors und der nun bekannt gewordenen Briefe ausrichtet.

Die Stieftochter von Rosenkranz, die heute 92-jährige Hanna Jacobsohn, habe die Schriftstücke der Bibliothek überlassen. Ursprünglich wollte sie der Institution die Briefe nach ihrem Tod übergeben lassen. Auf Nachfrage ihrer Anwältin entschied sich Jacobsohn jedoch, es bereits zu Lebzeiten zu tun.

Neuer Blick auf das „stürmische Leben“ des bekannten Schriftstellers

Insgesamt 26 Briefe und sechs Postkarten schrieb der bekannte Literat dem jungen Rosenkranz, der zu Beginn des Briefwechsels 16 Jahre alt war. Die Korrespondenz dauerte von 1921 bis kurz vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 an. Neben den Briefen leistete Zweig Rosenbaum finanzielle Unterstützung und es habe einige Treffen zwischen den beiden gegeben, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Die Briefe gestatteten eine neue Perspektive auf das „stürmische und faszinierende Leben eines der wichtigsten und bekanntesten Schriftsteller der Welt“, zitiert der Fernsehsender ORF den Vorstandsvorsitzenden der Nationalbibliothek, David Blumberg. Zudem brächten sie Licht auf Ansichten des „Schachnovelle“-Autors zu Literatur, Judentum, Zionismus und dem Aufstieg der Nazis.

Zweig rät zu Jugendzeit außerhalb Deutschlands

Zweig warnte in den Briefen schon früh vor einem wachsenden Antisemtismus. So schrieb er 1921, wie die dpa zitiert: „Wenn ich etwas Ihnen wünschen darf so wäre es, ein Stück Ihrer Jugend ausserhalb Deutschlands zu verleben, in einem Lande, wo man das jüdische Problem nicht so ständig auf den Nägeln brennen hat wie bei uns.“ Und weiter: „Ich habe Jahre im Ausland gelebt, wo niemand nach der Rasse fragte – als ich zurückkam, war das Problem plötzlich vor mir da und forderte mich ganz.“ Zudem rät der Literat Rosenbaum, Sprachen zu lernen: „Das ist der Schlüssel zur Freiheit.“

Zweig ging in der Zeit des Nationalsozialismus ins Exil. Dort begleiteten ihn depressive Stimmungen. Im Februar 1942 nahmen er und seine zweite Frau Lotte sich im brasilianischen Petrópolis das Leben. Der in diesem Jahr erschienene Film „Vor der Morgenröte“ schildert die Jahre im Exil. Er ist für Österreich im Rennen um den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film. (mab)

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