Kultur | 19.10.2016

Die israelische TV-Serie „Shtisel“: Wenn der Vater mit dem Sohne ...

Die israelische TV-Serie „Shtisel“: Wenn der Vater mit dem Sohne ...
Foto: Pretty Pictures; Screenshot Israelnetz

Ultraorthodoxe israelische Familie ist Vorbild für US-Serie

Die populäre israelische Familienserie „Shtisel“ begeistert jetzt auch Amerikaner. Die Geschichten um einen Torahgelehrten, seine Frau und die sechs Kinder werden deshalb für den Weltmarkt adaptiert. Der Streaming-Dienst „Amazon Prime“ hat sich die Rechte gesichert.

„Meine Tochter hat sich in die Serie verliebt“, erklärt die amerikanische Produzentin Marta Kauffman gegenüber dem Branchenblatt „Variety“. So sei sie überhaupt auf die Idee gekommen, die israelische Erfolgsserie „Shtisel“ über eine ultraorthodoxe Familie in Jerusalem für die USA zu adaptieren. „Wir wussten, dass es nicht leicht sein würde, die Serie zu verkaufen, aber es ist ein Herzensprojekt“, sagte Kauffman. Die englischsprachige Adaption der Serie, die in den New Yorker Stadtteil Brookyln verlegt und „Emmis“ heißen wird, ist an den amerikanischen Streaming-Dienst „Amazon Prime“ verkauft worden.

Die israelische TV-Serie „Shtisel“ kreist um die gleichnamige Jerusalemer Familie und erzählt die Geschichten der unterschiedlichen Generationen im modernen Israel. Das Oberhaupt der Familie, Shulem Shtisel, ist ein stolzer Torahgelehrter. Mit seiner Frau Giti und ihren sechs exzentrischen Kindern bewältigen sie den Alltag. Universelle Themen wie unerwiderte Liebe, Untreue und Enttäuschungen bestimmen die Handlung. „Shtisel“ läuft sehr erfolgreich in Israel, wobei die Serie sowohl säkular lebende als auch religiöse Menschen gleichermaßen anspricht.

Anpassung für den US-Markt eine Herausforderung

„Variety“ sieht den Erfolg der Serie darin begründet, dass diese außergewöhnliche Charaktere in gewöhnlichen Situationen zeigt. Die Protagonisten sind tiefreligiös porträtiert, was ihre Kleidung, Rituale und teils jiddische Dialoge angeht. Im Kern bleiben sie aber Männer und Frauen, die mit dem eigenen Ego, Herzschmerz und dem allgemeinen Streben nach Glück umgehen müssen.

Eine Herausforderung sei es, dem amerikanischen Publikum die ultraorthodoxe Welt der Familie nahe zu bringen, sagt Kauffman, die sich vor allem als eine der Ideengeberinnen der populären Sitcom „Friends“ in den 1990er-Jahren einen Namen gemacht hat. Selbst die säkularsten israelischen Menschen verstünden das religiöse jüdische Leben. Das sei in den USA nicht gegeben.

Die Adaption wird deshalb für amerikanische Sehgewohnheiten angepasst. „In Amerika wird die Serie ein Historiendrama in der Gegenwart sein“, sagte Kauffman. Für den gewöhnlichen Amerikaner sei das Leben der Shtisels so außergewöhnlich, dass es auf die meisten wie aus einem anderen Jahrhundert wirke. Daher werden die religiösen Rituale mehr erklärt.

Das Land Israel hat sich in den vergangenen Jahren zu einer kreativen Oase für TV-Serien entwickelt, die wiederholt für den internationalen Fernsehmarkt adaptiert wurden. Das bekannteste Beispiel ist die Serie „Hatufim“ (Entführte). Israelische Soldaten, die im Libanon in Gefangenschaft gerieten, haben darin mit der Rückkehr in die Heimat große Anpassungsprobleme in der Gesellschaft. „Hatufim“ inspirierte die US-Serie „Homeland“. Aber auch die Therapie-Serie „In Treatment“ hatte mit „BeTipul“ (In Behandlung) ein israelisches Vorbild. (mm)

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