Kultur | 26.09.2016

Das Nationaltheater in Oslo distanziert sich vom Boykottaufruf der Künstlergruppe

Das Nationaltheater in Oslo distanziert sich vom Boykottaufruf der Künstlergruppe
Foto: Danoz73, Wikipedia | CC BY-SA 3.0 NO

Falsche Theatersprecherin klagt Israel an

In einem gefälschten Video klagt eine angebliche Sprecherin des Norwegischen Nationaltheaters Israel als „Apartheid-Staat“ an. Das israelische Außenministerium kritisiert dieses öffentlich finanzierte Kunstprojekt scharf.

OSLO / TEL AVIV (inn) – Eine angebliche Sprecherin des Norwegischen Nationaltheaters hat sich in einem YouTube-Video im Namen des Theaters für die „beschämende“ Kooperation mit dem israelischen Nationaltheater „HaBimah“ entschuldigt. Darin heißt es etwa: „Wir wussten nicht, dass Kunst und Theater für den Staat Israel enorm wichtig sind, um sein Image als humanistische Nation aufzubauen und nicht als Apartheid-Staat, die das Land eigentlich ist.“ Die beiden Spielstätten hatten zwischen 2013 und 2015 bei einem Anti-Terrorismusprojekt der Europäischen Theaterunion kooperiert.

In Wahrheit handelt es sich bei der Sprecherin Gjertrud Synge um die norwegische Schaupielerin und Regisseurin Pia Maria Roll, wie die Verteilzeitung „Israel Hajom“ berichtet. Eine Künstlergruppe hat den knapp siebenminütigen Film produziert. Von einer dramatischen Inszenierung begleitet, bezeichnet Roll den israelisch-palästinensischen Konflikt als „auf ethnischer Säuberung, Rassismus, Besatzung und Apartheid basierend“. Das Theater habe es versäumt, ausreichend zu recherchieren und sei blind gewesen. Doch nun würde es die anti-israelische BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestion, Sanktionen) untersützen. Abschließend erklärt die vermeintliche Sprecherin: „Der HaBimah-Fall hat uns an etwas erinnert, das wir für eine lange Zeit vergessen haben: Theater kann wichtig sein. Befreit Palästina! Lang lebe das Norwegische Theater!“

Israel: „Hinter Deckmantel der Meinungsfreiheit“

In einer offiziellen Mitteilung distanziert sich das Norwegische Nationaltheater vom Inhalt des Videos. Dieses Kunstprojekt repräsentiere nicht die Einstellung des Theaters, sondern sei ein Ausdruck künstlerischer Freiheit: „Das Norwegische Nationaltheater hat weiterhin größeres Vertrauen in die Zusammenarbeit mit Künstlern über nationale Grenzen hinweg und aus Regimen, denen wir kritisch gegenüberstehen, als an Boykotte und Stillschweigen.“ Dieses Statement sei nötig gewesen, weil Nutzer das Video für authentisch hielten, berichtet die Tageszeitung „Yediot Aharonot“. Das freue die Schauspielerin: „Es ist nett, dass manche das Video für wahr halten.“

„HaBimah“ nimmt das Norwegische Nationaltheater in Schutz. Der Film sei hinter dem Rücken des norwegischen Managements produziert worden, sagt die Vorsitzende Odelia Friedman in „Yediot Aharonot“. Das israelische Außenministerium kritisiert das Video hingegen scharf. Dieses sei „scheinheiligerweise hinter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit“ mit öffentlichen Geldern produziert worden. Der Film erinnere gar an die Arbeit von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels und der nationalsozialistischen Filmemacherin Leni Riefenstahl. Das Ministerium ruft das Norwegische Nationaltheater dazu auf, die Äußerungen der Künstlergruppe klar und unverzüglich zurückzuweisen sowie den Film aus dem Netz zu entfernen. (rcr)

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