Kultur | 29.08.2016

Israelische Schüler sollen im Unterricht mehr über die Geschichte der äthiopischen Juden erfahren

Israelische Schüler sollen im Unterricht mehr über die Geschichte der äthiopischen Juden erfahren
Foto: hoyasmeg, flickr | CC BY 2.0

Äthiopische Kurzgeschichte schafft es in israelische Schulklassen

Zum ersten Mal lesen israelische Schüler die Kurzgeschichte eines äthiopischen Autors als Unterrichtsstoff. Es geht darin um die Einwanderung der äthiopischen Juden nach Israel. Die Geschichte soll zu einem besseren kulturellen Verständnis beitragen, um Rassismus zu vermeiden.

JERUSALEM (inn) – Wenn am 1. September in Israel wieder die Schule beginnt, werden israelische Schüler im Unterricht zum ersten Mal den Text eines äthiopisch-jüdischen Einwanderers lesen: Die Kurzgeschichte „Ein Traum auf Kosten der Ehre“ von stammt von Girma Mengistu. 2010 hat der Professor für Kommunikationswissenschaften damit den Literaturwettbewerb der Zeitung „Ha‘aretz“ gewonnen. Nun hat das Bildungsministerium in Jerusalem den Text in den Literatur-Lehrplan aufgenommen, wie die israelische Tageszeitung „Yediot Aharonot“ berichtet.

Metaphorische Beschreibung der Einwanderung

In der Kurzgeschichte schildert der Autor die Reise eines älteren äthiopischen Ehepaars nach Israel. Dieses hat sowohl am Weg als auch nach der Ankunft mit zahlreichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Geschichte des Ehepaares steht hierbei als Metapher für die Einwanderung der äthiopischen Juden insgesamt. Diese ist in Israel ein großes Thema. Denn inzwischen sind 125.000 Israelis äthiopische Einwanderer oder deren Nachfahren.

Mengistu ist 1991 selbst nach Israel eingewandert und freut sich sehr über die Entscheidung des Ministeriums. Seiner Meinung nach bilde der Text einen wichtigen Punkt in der Geschichte seiner Gemeinschaft ab „und öffnet ein Fenster, durch das die israelischen Kinder auf uns blicken können. Darin sehen sie unser Verlangen danach, nach Jerusalem zu gehen und ein sinnerfülltes Leben zu leben“.

Mehr äthiopische Inhalte in Schulen

Dass es soweit kam, ist der sogenannten „Biton-Kommission“ zu verdanken. Eres Biton ist der erste Dichter mit Vorfahren aus dem Nahen Osten, der 2015 den Israel-Preis für Literatur erhalten hat. Nun steht der orientalische Jude einer Kommission vor, die für mehr Inhalte aus der nahöstlichen und äthiopischen Kultur im europäisch geprägten israelischen Schulsystem sorgen soll, wie die Zeitung „Jerusalem Post“ berichtet.

Die dunkelhäutigen Juden aus Äthiopien haben in Israel immer wieder mit rassistischen Anfeindungen und mit Diskriminierung zu kämpfen. Mehr äthiopische Inhalte in den Schulen zu lehren, ist daher laut „Jerusalem Post“ eine von vielen Maßnahmen der israelischen Regierung, um diese Form des Rassismus zu bekämpfen. (rcr)

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