Innenpolitik | 07.11.2016

Voller Platz: Zehntausende sind am Samstag in Tel Aviv zum Rabin-Gedenken zusammengekommen

Voller Platz: Zehntausende sind am Samstag in Tel Aviv zum Rabin-Gedenken zusammengekommen
Foto: Zionistische Union, Facebook

Zehntausende erinnern an Rabin-Attentat

Bei einer Gedenkveranstaltung zum Rabin-Attentat warnen Politiker linker Parteien vor Hetze und Spaltung in der Gesellschaft. Zehntausende besuchen die Veranstaltung in Tel Aviv, die in diesem Jahr fast nicht zustande gekommen wäre.

TEL AVIV (inn) – Der israelische Oppositionsführer Jitzhak Herzog hat der israelischen Regierung Hetze vorgeworfen. Bei einer Kundgebung am Samstag im Gedenken an das Attentat auf Jitzhak Rabin vor 21 Jahren in Tel Aviv versicherte der Chef der Arbeitspartei vor Zehntausenden Menschen zudem, er werde keiner großen Koalition beitreten.

„21 Jahre später ist die Hetze immer noch dieselbe Hetze und der Führer ist immer noch derselbe Führer“, sagte Herzog laut der Onlinezeitung „Times of Israel“. „Heute Abend ist nicht die Zeit für Trauerreden; es ist der Abend, an dem wir in den Krieg für den Staat ziehen.“

Wenige Stunden vor der Veranstaltung hatte der Vorsitzende der Regierungskoalition David Bitan ( Likud ) gesagt, Rabins Ermordung sei „nicht politisch“ gewesen: „Es war ein Mord, den ein einzelnes Individuum begangen hat, das den Friedensprozess stoppen wollte.“ In Reaktion darauf warf Herzog Netanjahu vor, zu dieser Aussage geschwiegen zu haben. „Die Gespräche über eine Einheitsregierung sind vorbei.“

Die Arbeitspartei hatte die Finanzierung der Gedenkveranstaltung übernommen, nachdem private Organisatoren aus Geldmangel abgesagt hatten. Es wäre das erste Mal gewesen, dass die Gedenkveranstaltung auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv , wo Rabin ermordet wurde, nicht stattgefunden hätte. Bitan erklärte dazu, eigentlich müsse der Staat das Gedenken finanzieren, „um einen offiziellen Staatsakt und nicht eine linke Veranstaltung zu haben“.

Familie warnt vor Hetze

Zippi Livni von der Partei „HaTnuah“, die zusammen mit der Arbeitspartei und den Grünen das Bündnis „Zionistisch Union“ bildet, sprach vom „größten Kampf, den wir haben“. Netanjahu dürfe nicht definieren, was Zionismus bedeutet. Die Chefin der linksgerichteten „Meretz“-Partei Sahava Gal-On sagte, die Ermordung Rabins sei Folge einer Propaganda gewesen, die auch Netanjahu unterstützt habe.

Bereits am Freitag versammelten sich Familienmitglieder und enge Freunde auf dem Jerusalemer Herzlberg, wo Rabin begraben liegt, zu einer Gedenkveranstaltung. Rabins Tochter Dalia warnte dabei vor anhaltender Hetze gegen politische Rivalen. Die Spaltung in der Gesellschaft, die damals zu der Ermordung geführt habe, sei auch heute noch greifbar. „Teile der Nation wollen das auch heute nicht sehen. Sie finden Wege zu denken, dass es vielleicht doch gut war, ihn zu ermorden.“

Rabin wurde am 4. November 1995 von dem rechtsextremen jüdischen Aktivisten Jigal Amir nach einer Kundgebung in Tel Aviv erschossen. Amir war ein Gegner des damals zustande gekommenen Oslo-Prozesses. (df)

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