Hintergrund | 04.10.2016

Gehört zum Neujahrsfest: Ein Bratzlaver Chassid bläst das Schofar im ukrainischen Uman.

Gehört zum Neujahrsfest: Ein Bratzlaver Chassid bläst das Schofar im ukrainischen Uman.
Foto: Kryzhanivskyi Volodymyr, Wikipedia | CC BY-SA 3.0

Festliches Wirrwarr zum Neujahr

Die Feiertage von Juden, Christen und Muslimen sorgen regelmäßig für Überraschungen im Kalender. In diesem Jahr fallen das jüdische Neujahr, der Tag der deutschen Einheit und ein muslimisches Fest zusammen.

Neujahr ist in diesem Jahr ein doppeltes Fest. Während die Juden ihr „Rosch HaSchanah“ begehen, den „Kopf des Jahres“, feiern die Moslems zeitgleich mit der Hidschra den ersten Monat Muharram des islamischen Mondjahrs.

Bei den Juden liegt traditionell ein Fischkopf auf dem Festteller. Dazu werden Apfelschreiben in Honig getunkt, damit es ein „süßes Jahr“ werden möge. Muslime genießen die Aschura oder den „Pudding des Noah“ mit mindestens sieben Zutaten, darunter Körner, Hülsenfrüchte, getrocknete oder frische Früchte, Salz und Honig. Darüber werden Rosenwasser, Sesam, Nüsse und Granatapfelkerne gegeben.

Christliche Differenzen

Die Christen begehen ihr Neujahr bekanntlich an Silvester, zufällig acht Tage nach der Geburt Jesu am 24. Dezember. Gemäß jüdischem Brauch wird ein neugeborener Junge am 8. Tag beschnitten. Dann erst, durch die „Aufnahme in den Bund Abrahams“ und seiner Namensnennung, wird er zum „Menschen“.

Im Altertum gab es keine allgemeine Zeitrechnung. Gezählt wurden die Jahre seit der Inthronisierung des gerade herrschenden Königs. Da König Herodes noch lebte, als Jesus von Nazareth in Bethlehem zur Welt kam, und gemäß übereinstimmender Meinung der Wissenschaft im Jahr 4 vor Christus verstorben ist, gehen Forscher davon aus, dass der Nazarener schon im Jahr 7 vor Christi Geburt zur Welt kam.

Die Christenheit verwendet den gregorianischen, den julianischen oder den armenischen Kalender. Alle sind sich einig, dass wir heute im Jahr 2017 leben. Bei den Festen gibt es jedoch kleine Unterschiede. Die Westchristen begehen ihr Weihnachten am 24. Dezember, die orthodoxen Ostchristen am 6. Januar und die Armenier erst am 18. Januar. In einer Stadt wie Jerusalem, wo alle drei wichtigen monotheistischen Religionen und die jeweiligen Konfessionen vertreten ist, vergeht damit kaum ein Tag ohne Feiertag.

Grundsätzlich gilt bei Christen das Sonnenjahr, so dass die Feste im Detail auf unterschiedliche Tage fallen, aber immer in der gleichen Jahreszeit. Damit sich das alles nicht verschiebt, wird im „Schaltjahr“ dem kurzen Monat Februar ein Tag hinzugefügt.

Jüdische Avantgarde

Die Juden sind allen anderen Völkern schon weit voraus. Bei ihnen beginnt am Sonntag das Jahr 5777. Gezählt wird seit dem ersten Tag der Schöpfung der Welt. Da in der Bibel die Lebenszeit aller bekannten Figuren seither, von Adam über Abraham und bis zu den Königen, genau verzeichnet ist, mussten diese Zahlen nur zusammengerechnet werden. So kommt man heute auf 5777 Jahre.

Das jüdische Jahr richtet sich nach dem Mond, ist aber dem Sonnenjahr angepasst worden, damit die dem landwirtschaftlichen Zyklus entlehnten Feste in der richtigen Jahreszeit gefeiert werden können. Im Verhältnis zum christlichen Kalender verschieben sich deshalb die jüdischen Feiertage jedes Jahr geringfügig. Ein ganzer dazwischengeschalteter Schaltmonat sorgt dafür, dass das Erntedankfest nicht plötzlich im Frühjahr begangen wird.

Augenscheinliche Feiertage

Die Moslems leben aus christlicher Sicht noch im Mittelalter. Für sie begann am 3. Oktober das Jahr 1438. Der muslimische Mondkalender kennt keine regulierenden Schalttage oder Monate und ist zwölf Tage kürzer als das gregorianische Sonnenjahr. Im Jahr 2017 fällt deshalb das muslimische Neujahr voraussichtlich auf den 22. September. So genau weiß man das nie. Während in Saudi-Arabien astrologische Daten zur Berechnung des Kalenders verwendet werden, muss in anderen Ländern bei Sonnenuntergang die Sichel des Neumonds zu sehen sein. Im Falle von Wolken oder anderen Störungen kann es deshalb passieren, dass in manchen Ländern das gleiche Fest mit einem oder gar zwei Tagen Verspätung eröffnet wird.

Auf diese Weise wandern auch die übrigen muslimischen Feiertage quer durch die Jahreszeiten. Das ist besonders anstrengend während des Fastenmonats Ramadan, wenn Muslime zwischen Sonnenaufgang und bis Sonnenuntergang weder trinken, essen noch rauchen dürfen.

Der erste Monat des Jahres, Muharram („verboten“), geht zurück auf die historische Kerbala-Schlacht im Jahr 680, bei der Imam Hussein Ibn Ali, der Enkel des Propheten Mohammad, getötet worden ist. So sehen es die Schiiten. Die Sunniten gedenken der „Hidschra“, der Flucht des Propheten von Mekka nach Medina im Jahr 622; dieses Ereignis markiert den Beginn der muslimischen Zeitrechnung.

Solche Verschiebungen gibt es freilich auch bei europäischen Feiertagen. So fällt in diesem Jahr der deutsche Nationalfeiertag, der 3. Oktober, auf das jüdische wie das muslimische Neujahrsfest. Also kein guter Tag für den jährlichen Empfang beim deutschen Botschafter. Eine Anfrage bei der Botschaft in Tel Aviv ergab: „In diesem Jahr haben wir den 3. Oktober auf den 27. September vorverlegt.“ (uws)

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