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Arafat

Jasser Arafat wurde am 27. August 1929 als Mohammed Abdal Ra´uf Arafat el-Kudwa el-Husseini in die Familie eines wohlhabenden Textilhändlers geboren.

Offiziell wird Jerusalem als Geburtsort angegeben, andere Quellen sprechen von Kairo oder Gaza.Schon als Jugendlicher beteiligte sich Arafat an Aktionen gegen die britische Mandatsmacht in Palästina und gegen militante zionistische Gruppen.

1951 erlangte er an der "König Fuad Universität" den Bachelor-Abschluss als Ingenieur. 1958 ging er nach Kuwait, wo er 1959 die Fatah-Organisation gründete. Diese schrieb sich 1965 den bewaffneten Kampf gegen Israel auf die Fahnen und wurde unter Arafats Führung zu einer der stärksten palästinensischen Kampfgruppen.Im Jahr 1967 übersiedelte der auch unter seinem Kampfnamen "Abu Amar" bekannte Aktivist nach Jordanien. Als die Fatah 1969 der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) beitrat, hatte Arafat sich erhebliche Anerkennung als Guerilla-Kämpfer erworben.

Der damals 40-Jährige ließ sich an die Spitze der fünf Jahre zuvor gegründeten PLO wählen, deren Vorsitz er bis zu seinem Tod 2004 innehatte. Er war der Überzeugung, Israel sei nicht durch konventionellen Krieg, sondern nur durch Partisanenkampf zu besiegen.Im Jahr 1970 scheiterte ein Versuch der PLO, König Hussein von Jordanien zu stürzen. Nach schweren Kämpfen mussten die Guerilla-Gruppen ihr damaliges Operationsgebiet Jordanien verlassen. Der König fürchtete, die PLO erbaue einen "Staat im Staate". Arafat floh mit seinen Anhängern in den Libanon. "Der Widerstand ist keine Vergnügungsreise", kommentierte er diese Niederlage einmal. In der Folgezeit verlegten sich militante PLO-Gruppen auf eine Strategie des Terrors auf israelischem und internationalem Gebiet. Sie waren Urheber von Attentaten wie dem auf

israelische Sportler bei den Olympischen Spielen in München 1972. Trotz seiner Verstrickungen in den Terrorismus gelang es dem PLO-Chef, seiner Organisation durch diplomatische Bemühungen international Anerkennung zu verschaffen. 1988 schaffte er es schließlich auch, dem Palästinensischen Nationalrat eine indirekte Anerkennung des israelischen Existenzrechts abzuringen. Im selben Jahr proklamierte Arafat in Algerien symbolisch einen Staat Palästina. Im Jahr 1993 kam es zu Friedensverhandlungen, welche eine friedliche Koexistenz zwischen Israel und den Palästinensern propagierten. Vor den Augen des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton schüttelten Arafat und der damalige Premierminister Israels, Jizhak Rabin, auf dem Rasen des Weißen Hauses die Hände. Diese Bemühungen, die sich Jahre später als wenig fruchtbar erwiesen, brachten dem Palästinenserführer, der sich gerne in Uniform und mit umgeschnallten Pistolenhalfter zeigt, zusammen mit Rabin und dem damaligen israelischen Außenminister Schimon Peres im folgenden Jahr den Friedensnobelpreis ein. Beobachter sagen, das Kopftuch ("Keffije"), das er zu seiner selbsterfundenen Uniform trägt, habe die Form des ganzen Landes Israel. Wieder zurück in Israel wurde Arafat 1996 mit großer Mehrheit zum Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde gewählt. Arafat genoss besonders in der Zeit der so genannten "Intifada" großes Ansehen unter der palästinensischen Bevölkerung. Laut einer palästinensischen Umfrage im September 2003 waren über 80 Prozent zufrieden mit seiner Führung. Im Jahr 1996 gab es die bisher einzigen freien Wahlen in den Palästinensergebieten. Arafat wurde mit fast 90 Prozent der Stimmen gewählt. Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass sein einziger Gegenkandidat eine Frau war: die Sozialarbeiterin Samiha Chalil erhielt rund 9,62 Prozent der Stimmen. Arafats Mandat als Präsident endete eigentlich bereits 1999, doch wurden es durch umstrittene Entscheidungen Arafats immer wieder verlängert. Als vom israelischen Nachrichtendienst Dokumente veröffentlicht wurden, welche die unmittelbare Verstrickung Arafats in den palästinensischen Terror nachwiesen, wurde der Druck auf Arafat auch aus den USA größer. Es wurden Hinweise auf Geldtransfers gefunden, nach denen Terroristen, Bomben und andere Waffen sowie Propagandamaterial von Arafats Fatah-Partei bezahlt wurden. US-Präsident George W. Bush forderte daher Reformen in der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA); die USA folgten dem Rat Israels und erklärten Arafat hinfort als "irrelevant". Die Ernennung eines neuen Ministerpräsidenten mit Kompetenzen sollte Arafat entmachten. Die darauf folgenden Versuche, einen Kandidaten zu finden, der bereit und fähig war, die verfahrene Situation zu einem dauerhaften Frieden mit Israel zu führen, gestaltete sich schwierig. Mahmoud Abbas (Abu Mahzen) wurde am 30. April 2003 als Ministerpräsident vereidigt. Er bekam es sehr bald mit dem vehementen Widerstand Arafats zu tun. Dieser verhinderte, dass sein ehemaliger Sicherheitschef Mohammed Dahlan den Posten als Innenminister und damit als Oberbefehlshaber aller palästinensischen Sicherheitskräfte bekam. Dahlan und Arafat hatten sich bereits ein Jahr zuvor zerstritten, da Dahlan klare Worte gegenüber der Hamas, dem Ds

chihad al-Islami und den illegalen Freischärlergruppen im Gazastreifen ausgesprochen hatte. Mit Dahlans Kampfansage an die Terrorgruppen und seinen Forderungen nach einer demokratischeren PLO konnte der PLO-Chef gar nichts anfangen. Weil es Abu Mahzen nicht möglich war, die alten Machtstrukturen aufzubrechen, die Arafat seit über 30 Jahren in der PLO gepflegt hatte, und er kaum eine Entscheidung ohne den Partei-Obersten treffen konnte, gab er sein Amt als Ministerpräsident nach nur 131 Tagen frustriert auf. Der Nachfolger, Ahmed Qrea, der am 10. September sein Amt angetreten hatte, war ebenfalls nach wenigen Tagen unzufrieden mit seinen Machtbefugnissen. Auch er drohte bald, sein Amt niederzulegen. Das von ihm zu bildende Notstandskabinett hätte ohne Zustimmung des Parlamentes handeln und damit gegen Arafats Willen gegen Hamas und Dschihad al-Islami vorgehen können. Für Arafat war dies nicht akzeptabel. Die israelische Regierung sah im September 2003 die Ausweisung Arafats als eine mögliche Option an. Daraufhin brachten die arabischen Staaten zum Schutze des Palästinenserführers eine Resolution vor die UN-Vollversammlung, welche seine Ausweisung als "illegal" verurteilte. Die Beschlüsse dieses Plenums mit 191 Mitgliedsländern waren nicht völkerrechtlich bindend. Eine entsprechende Resolution im UN-Sicherheitsrat verhinderten die USA hingegen anschließend durch ihr Veto. Im Fernsehen erklärte Arafat damals, die Palästinensische Autonomiebehörde stehe im Kontakt mit allen palästinensischen Oppositionsgruppen, einschließlich der radikal-islamischen Organisationen Hamas und Dschihad, um diese zu einer Waffenruhe zu bewegen. Als die Drohung Israels gegen Arafat an Brisanz gewann, stimmte er erneut versöhnlichere Töne an: "Lasst uns unseren Kindern zuliebe die Vergangenheit vergessen und ein neues Kapitel aufschlagen". Sobald Israel die Straßensperren abbaue und vom "Morden und Zerstören" ablasse, sei die von den Terror-Organisationen Hamas und Dschihad al-Islami im Juni ausgerufene Waffenruhe ("Hudna") möglich. Diese hatte jedoch nicht länger als anderthalb Monate gehalten, bis zum Selbstmordanschlag auf einen Bus in Jerusalem, bei dem vorwiegend orthodoxe Juden umkamen. Noch wenige Monate zuvor hatte Arafat den Familien der „Schahiden" („Märtyrer"), also der Selbstmordattentäter, weiter Unterstützung zugesagt. Als Israel drohte, seine Mukata in Ramalla zu stürmen, versammelten sich zahlreiche Anhänger um das Haus. Arafat selbst bekundete: "Das ist meine Heimat!". Es war bekannt, dass Arafat in seinem Hauptquartier in Ramalla gesuchte Terroristen beherbergte. Der bewaffnete Aktivist der Fatah-Partei, Ali Alian, etwa, der in zahlreiche Anschläge auf Israelis verwickelt war, war nach eigener Aussage ein Jahr in Arafats Mukata versteckt. Als es im August Verhandlungen zwischen Vertretern der moslemischen Aufsichtsbehörde Waqf und Israels Polizei gab, bei denen es um die neuerliche Öffnung des Tempelbergs auch für Nichtmoslems ging, spuckte Arafat den Waqf-Gesandten in seiner Mukata ins Gesicht. Weil sie den Forderungen Israels in dieser Frage entgegengekommen waren, tobte der Palästinenser-Präsident: "Ich, und nicht (Israels Premier) Scharon, werde derjenige sein, der über die Öffnung des Tempelberges entscheidet", schrie er sie an. Jasser Arafat gehört laut dem New Yorker Magazin "Forbes" zu den reichsten Menschen der Welt. Der PLO-Chef erschien Anfang des Jahres 2003 auf Platz sechs in der Kategorie "Monarchen und Herrscher" auf der "Liste der reichsten Menschen", die das US-Wirtschaftsmagazin jährlich bekannt gibt. Arafats Vermögen wird auf rund 300 Millionen US-Dollar geschätzt, es liegt hauptsächlich auf Schweizer Bankkonten. Das Geld stammt, so vermuten Beobachter, unter anderem aus internationalen Hilfsgeldern für die Palästinenser sowie aus Steuergeldern. Zudem hätten Gewinnausschüttungen aus palästinensischen Firmen zur Anhäufung dieses Vermögens beigetragen. Arafats Ehefrau Suha Arafat und ihre Tochter leben in Paris und bekommen laut der Tageszeitung "Ha´aretz" monatlich 100.000 US-Dollar aus einem PA-Fond überwiesen. Arafat starb am 11. November 2004 im Militärkrankenhaus in Paris. Zuvor war er in seinem Hauptquartier in Ramallah zusammengebrochen. Sein Nachfolger wurde Mahmud Abbas (Abu Masen). (js)
 
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