Gesellschaft | 09.11.2016

Kardinal Reinhard Marx und Heinrich Bedford-Strohm mit  Scheich Umar al-Kisswani in der Al-Aksa-Moschee

Kardinal Reinhard Marx und Heinrich Bedford-Strohm mit Scheich Umar al-Kisswani in der Al-Aksa-Moschee
Foto: mh, Israelnetz

Israel: Haben Bischöfe nicht um Abnahme der Kreuze gebeten

Ein israelischer Militärsprecher weist zurück, dass Landesbischof Bedford-Strohm und Kardinal Marx von jüdischer Seite gebeten wurden, während ihres Besuchs der Klagemauer in Jerusalem kein Amtskreuz zu tragen. Laut eigener Aussage wurden die Kirchenmänner gebeten, es abzulegen, um nicht zu provozieren. Nun bezieht die EKD Stellung zu dem Vorfall.

JERUSALEM (inn) – Zu einer ökumenischen Pilgerreise ins Heilige Land hatten sich Mitte Oktober Mitglieder des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz aufgemacht. Beim Besuch des Tempelbergs, für den die islamische Behörde Wakf zuständig ist, sowie an der jüdischen Klagemauer in Jerusalem haben die Kirchenmänner ihr Amtskreuz teilweise nicht getragen. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm erklärte laut evangelisch.de, dass sie sowohl von muslimischen als auch von jüdischen Begleitern gebeten worden seien, ihre Kreuze abzunehmen, um nicht zu „provozieren“.

Der israelische Militärsprecher Arye Sharuz Shalicar weist nun auf Facebook zurück, dass es von jüdischer Seite die Bitte gegeben habe, die Kreuze abzulegen. Er schreibt: „Ich fordere Sie hiermit auf, es öffentlich zu machen, welcher Sicherheitsdienst von jüdischer Seite aus bei Ihrem Besuch der Klagemauer in Jerusalem von Ihnen gefordert haben soll, ‚aufgrund der angespannten Lage in Jerusalem‘ Ihre Glaubenssymbole nicht offen zu tragen, um angeblich ‚eine Provokation zu vermeiden‘.“ Shalicar habe laut eigener Aussage den Vorwurf überprüft und „man war empört über diese Behauptung“.

EKD-Sprecher: Polemisch geführte Debatte macht ratlos

Der Militärsprecher kritisiert zudem, dass die Kirchenmänner ihre Kreuze abgenommen haben. Er nennt es „fraglich genug, warum Sie vor den radikal-arabisch-muslimischen Gastgebern auf dem Felsendom eingeknickt sind“. Noch mehr empöre ihn jedoch, „noch zu behaupten, dass aus ‚Sicherheitsgründen‘ ähnliche Forderungen von den jüdischen Gastgebern geäußert wurden“.

Am Donnerstag äußerte sich der Pressesprecher der EKD, Carsten Splitt, der bei der Reise dabei war, via Facebook zu dem Vorfall. Ihn mache „die polemisch geführte Debatte ratlos, da die Situation an den Heiligtümern von tiefem gegenseitigem Respekt geprägt war“. Die ökumenische Delegation habe bei ihrem Besuch des Felsendoms und der Al-Aksa-Moschee darauf verzichtet, das Bischofskreuz zu zeigen. Gleiches habe sie bei dem Besuch der Klagemauer getan.

Für Splitt handelte es sich bei dem Vorstoß „keinesfalls um ‚Einknicken‘, sondern um eine in der besonderen Feiertagssituation angezeigte Zurückhaltung“. Der Sprecher weist zudem darauf hin, dass keiner der beiden Vorsitzenden „jemals geäußert hat, dass es eine Aufforderung von israelischen Sicherheitskräften an die beiden Vorsitzenden gegeben habe, ihre Glaubenssymbole nicht offen zu tragen oder abzulegen“. Die Aufforderung, die Kreuze abzunehmen, erfolgte laut Splitt kurz vor dem Betreten des Felsendoms sowie am Ort der Begegnung mit den jüdischen Gastgebern durch dortige Vertreter der jeweiligen Religionsgemeinschaft.

Der Besuch in Israel sollte der Verständigung dienen und nicht dazu, die Situation noch weiter zu belasten, betont der EKD-Sprecher: „Die ökumenische Delegation hat damit ein Signal ausgesandt: Nur mit Respekt, Klugheit und Umsicht ist der Frieden zu erringen.“

Bedford-Strohm: „Man inszeniert einen Kulturkampf“

Der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, hatte am Mittwoch gegenüber Israelnetz erklärt: „Wir sind in der Angelegenheit der Äußerungen von Herrn Shalicar mit der Botschaft des Staates Israel in Kontakt.“

Bedford-Strohm hatte zuvor die Berichtererstattung der Medien kritisiert, die nicht darauf eingegangen war, dass er sein Kreuz auch nicht an der Klagemauer getragen hatte. Der EKD-Mann sagte: „Man inszeniert einen Kulturkampf mit dieser Sache, um zu zeigen, der Islam sei intolerant. Warum wird nicht gleichzeitig darauf hingewiesen, dass wir bei beiden Religionen, die wir besucht haben, von den Betreuenden gebeten wurden, das Kreuz nicht zu tragen, um nicht zu provozieren?“

Fleischhauer: „Verleugnung des Glaubens“

Der „Spiegel“-Kolumnist Jan Fleischhauer bezeichnete das Handeln von Bedford-Strohm und Marx am Montag als „Unterwerfung“. Der Vorgang habe ihn „sprachlos“ gemacht: „Wie soll man es anders nennen als eine Verleugnung des Glaubens, wenn zwei wichtige Repräsentanten des Christentums bei einer Pilgerreise aus Rücksicht auf die Reizbarkeit muslimischer Glaubensvertreter ihr Kreuz ablegen?“ Weiter kommentierte Fleischhauer: „Es sind in der Geschichte des Christentums eine Menge Leute gestorben, weil sie genau das abgelehnt haben.“

In der Mittwochsausgabe der Zeitung „Die Welt“ widerspricht Autor Lucas Wiegelmann nun Fleischhauer: Hätte es die deutsche Delegation für ihren Gang über den Tempelberg zur Bedingung gemacht, die Amtskreuze zu tragen, „hätte die Kirche in der Heiligen Stadt ihrer Entstehung vielleicht mehr Kreuz zeigen können. Aber bestimmt nicht mehr Christentum“. (mab)

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