Außenpolitik | 08.09.2016

In Prag muss sich das tschechische Bildungsministerium für zukünftige Schul-Atlanten rechtfertigen

In Prag muss sich das tschechische Bildungsministerium für zukünftige Schul-Atlanten rechtfertigen
Foto: Israelnetz/Johannes Gerloff

Tschechisches Bildungsministerium: Jerusalem bleibt Hauptstadt

In tschechischen Atlanten sollte Tel Aviv die neue Hauptstadt Israels werden, weil sich der palästinensische Botschafter beschwerte. Das Bildungsministerium rudert jetzt zurück.

PRAG / JERUSALEM / RAMALLAH (inn) – Zuerst kündigte die Bildungsministerin Katerina Valachova an, wegen eines Protestes des palästinensischen Botschafters in Prag den Schulatlas überarbeiten zu lassen. Tel Aviv sollte Jerusalem als israelische Hauptstadt ablösen. Wie jetzt die Tageszeitung „Ha‘aretz“ berichtet, hat die Ministerin das aber in einem Radiointerview am Dienstag dementiert.

„Unsere Schulatlanten sollen die Realität widerspiegeln“, sagte Valachova demnach. Jerusalem sei in den Augen der Israelis deren Hauptstadt. Da sich Tschechien an dieser Staatserklärung orientiere, solle sich keine der beiden politischen Seiten provoziert fühlen. Israelis und Palästinenser sollten akzeptieren, dass es nicht die Aufgabe ihres Ministeriums sei, sich in diese Politik einzumischen.

In Jerusalem meldete sich indes Bürgermeister Nir Barkat zu Wort: „Jerusalem ist wieder auf der Karte.“ Die Wahrheit habe über die Lüge triumphiert. Der Bürgermeister bedankte sich bei der tschechischen Regierung, weil sie nicht der palästinensischen Hetze nachgegeben habe: „Jerusalem ist unsere Hauptstadt und das Herz und die Seele der Juden.“

Brief des Jerusalemer Bürgermeisters

Barkat hatte am Sonntag einen Brief an den tschechischen Premier Bohuslav Sobotka geschrieben. Darin forderte er diesen auf, die Entscheidung rückgängig zu machen. Auch hatten tschechische Juden einen Protest am Mittwoch in Prag organisiert.

Der besagte Atlas, um den sich die Irritationen drehen, erschien das erste Mal im Jahr 2004. Das von der tschechischen Firma „SCHOCart“ hergestellte Lehrbuch wird in Grundschulen und erweiterten Schulen eingesetzt. Die „neue“ Hauptstadt Israels wäre für das kommende Schuljahr vorgesehen gewesen.

Der Geschäftsführer von „SCHOCart“, Karel Krsak, schaltete sich auch in die Diskussion ein: „Israel ist ein souveräner Staat, der selbst entscheiden soll, wie seine Hauptstadt heißt.“ Das respektiere Krsak. Allerdings müsse sich seine Firma an die Vorgaben des Ministeriums halten.

Tschechien erkennt Jerusalem nicht als Hauptstadt Israels an. Wie zahlreiche andere Länder der internationalen Gemeinschaft betrachtet es Ostjerusalem als besetztes Gebiet. Die tschechische Botschaft sitzt wie die diplomatischen Vertretungen der anderen Länder in Tel Aviv .

Gefälschte Schulbücher im Westjordanland?

Währenddessen verurteilte das Bildungsministerium der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) am Mittwoch laut der Nachrichtenagentur „Ma‘an“ „gefälschte“ Geschichts-Schulbücher. Sie sollen falsche Informationen über Palästina enthalten. „Der Urheber ist Israel“, heißt es in einer Stellungnahme des Ministeriums. Die nationale Identität der Palästinenser solle mit der Tatsache untergraben werden, dass in den Schulbüchern Jerusalem als Hauptstadt Israels geführt werde. Das Ministerium sprach eine Warnung für Lehrer, Schüler und Eltern aus, die gefälschten Schulbücher zu verwenden. (mm)

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