Außenpolitik | 19.10.2016

Auch der Exekutivrat der UNESCO betont den muslimischen Bezug zum Tempelberg – und ignoriert die jüdische Vorgeschichte

Auch der Exekutivrat der UNESCO betont den muslimischen Bezug zum Tempelberg – und ignoriert die jüdische Vorgeschichte
Foto: Israelnetz/Elisabeth Hausen

Trotz Kritik: UNESCO bestätigt Jerusalem-Resolution

Auch das Exekutivkomitee der UNESCO leugnet mehrheitlich die jüdische Verbindung zum Tempelberg. Ein israelischer Politiker wirft der Kulturorganisation mangelndes Geschichtsbewusstsein vor.

PARIS (inn) – Nach dem Welterbeausschuss hat am Dienstag auch das Exekutivkomitee der UNESCO die umstrittene Resolution „Besetztes Palästina” angenommen. Diese verwendet nur arabische Begriffe für den Tempelberg und die Klagemauer – damit ignoriert sie den jüdischen Bezug zu diesen Stätten in Jerusalem. Mexiko indes zog seine Unterstützung für die von den Palästinensern angeregte Resolution zurück.

Der mexikanische Botschafter Andres Roemer hatte während der Abstimmung am Donnerstag den Raum verlassen. Offenbar wollte der Jude persönlich gegen die Haltung seines Landes protestieren, das den Entwurf befürwortete, vermutet die Onlinezeitung „Times of Israel“. Roemer habe von seinem Posten zurücktreten wollen. Doch der israelische Botschafter Carmel Schama-Hacohen lobte ihn in einem Brief als Freund des jüdischen Staates.

Vor der Abstimmung am Dienstag teilte das israelische Außenministerium mit, es habe „mit der mexikanischen Regierung zusammengearbeitet, um deren Abstimmungsverhalten zur UNESCO-Entscheidung zu ändern, die die Verbindung der Juden zum Tempelberg und zur Westmauer leugnet“. Als Folge habe Mexiko am Dienstag beantragt, aus der Zustimmung eine Enthaltung zu machen. Dies änderte jedoch nichts an der großen Mehrheit für die Resolution – nur sechs Länder stimmten dagegen, unter ihnen die USA und Deutschland. Israel hat seine Zusammenarbeit mit der UNESCO ausgesetzt.

Deutscher Diplomat verzichtet auf Sitzungsleitung

Der Vorsitzende des Exekutivrates, Michael Worbs, hatte sich gegen die Formulierung der Resolution ausgesprochen. Er wäre bereit gewesen, die Abstimmung zu vertagen, schreibt die „Times of Israel“. Doch arabische Nationen hätten angeblich heftigen Druck auf den Deutschen ausgeübt. Daraufhin habe Worbs die Sitzungsleitung der schwedischen Botschafterin Annika Markovic übertragen.

Kritik an der Resolution hatte auch die Generaldirektorin der Kulturorganisation, Irina Bokova, geübt. Sie betonte die Bedeutung der gegenseitigen Anerkennung der jeweiligen Traditionen. Daraufhin habe die Bulgarin Morddrohungen erhalten, sagte Schama-Hacohen am Montag im israelischen Rundfunk. „Ihr Schutz musste verstärkt werden.“ Von offiziellen UN-Vertretern wurde dies nicht bestätigt.

Israelischer Politiker: UNESCO bemüht sich nicht um Erklärung

Der israelische Oppositionspolitiker Jair Lapid veröffentlichte in der „Times of Israel“ einen Blog-Eintrag unter dem Titel „Wie die UNESCO die Geschichte ausradiert“. Er nahm Bezug auf den neuen Literaturnobelpreisträger Bob Dylan und dessen Lied „Forever Young“ (Für immer jung). Dieses beginne mit den Worten: “May God bless and keep you always, May your wishes all come true.” (Möge Gott dich immer segnen und behüten, mögen alle deine Wünsche wahr werden.)

Dylan habe diese Zeilen nach eigener Aussage aus einem alten jüdischen Gebet entnommen, das im 4. Buch Mose, Kapitel 6, Vers 24 vorkommt, merkt Lapid an. Dort heißt es: „Der HERR segne dich und behüte dich.“ Der Vorsitzende der Partei „Jesch Atid“ schreibt, jenes Gebet sei der älteste je entdeckte Bibeltext. „Es war in Silbertafeln aus den Tagen des Ersten Tempels eingraviert. Sie wurden in einer Höhle in Jerusalem entdeckt, geschrieben in altem Hebräisch. Forscher datierten sie auf die Zeit um 600 vor der christlichen Zeitrechnung. Schon damals war Jerusalem eine pulsierende jüdische Stadt, wo sich das Leben, Gebete und selbst Dispute auf Hebräisch abspielten. Hebräisch war auch die Sprache, die Jesus 600 Jahre später verwendete, als er auf einem Esel in Jerusalem einritt.“

Lapid kritisiert, dass die UNESCO sich nicht genötigt sehe, das Leugnen der jüdischen Verbindung zu erklären. Sie habe willkürlich entschieden, dass der Tempelberg und der Platz vor der Klagemauer den Palästinensern gehörten, indem sie nur arabische Namen für die beiden Stätten verwende – „obwohl die Al-Aksa-Moschee etwa 1.300 Jahre später auf den Ruinen des jüdischen Tempels errichtet wurde“.

Erschütternd findet es der frühere israelische Finanzminister, „dass demokratische Nationen mit einem Geschichtsverständnis – Länder wie Italien, Frankreich und Spanien – sich bei der Abstimmung enthalten haben. Wollen Christen in Europa die Zerstörung von 3.000 Jahren jüdischer Geschichte und 2.000 Jahren christlicher Geschichte zulassen?“ Die Resolution sei „extrem“.

Christen klärten Diplomaten im Vorfeld auf

Die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem (ICEJ) indes hatte im Vorfeld versucht, die Resolution zu verhindern. So übergab sie den Exekutivratsmitgliedern und internationalen Diplomaten nach eigenen Angaben „eine Broschüre, in der die tiefen historischen Verbindungen des Judentums zu diesen Stätten aufgelistet werden, die auch Christen und Muslimen als heilig gelten“.

Die verschiedenen Zweigstellen wandten sich in einem Brief an ihre jeweiligen Ländervertreter bei der UNESCO und forderten sie auf, „gegen die von den Palästinensern eingereichte Jerusalem-Resolution zu stimmen“. In dem Schreiben heißt es unter anderem: „Unausgewogenheit durchdringt den gesamten Text.“

Journalist Sahm: Bibel wird zur Makulatur

Der deutsche Nahostkorrespondent Ulrich W. Sahm äußert in einem Kommentar die Befürchtung, dass „ein mit großer Mehrheit akzeptierter Beschluss der UNO-Kulturorganisation UNESCO“ dazu geeignet sei, „die uns bekannte Welt auf den Kopf zu stellen“. Darin sei klargestellt worden, „dass Juden niemals eine Verbindung zum Haram Asch-Scharif und der Burak-Mauer in der Stadt Aelia Capitolina hatten. Gemeint sind natürlich der Tempelberg, die Klagemauer und Jerusalem“.

Dazu merkt der Jerusalemer Journalist an: „Um nicht gleich Todesdrohungen ausgesetzt zu werden, muss man sich ja heute ‚politisch korrekt‘ ausdrücken. Mit anderen Worten: Der Bestseller der Welt, die Bibel, ist Makulatur. Bye bye Judentum und Christentum. Unsere Werte sind wertlos. Der Beschluss ist so absurd, dass man sich eigentlich nur noch darüber lustig machen kann.“

Sahm gibt dabei allerdings zu bedenken, „dass die Initiative zur Abschaffung Jerusalems als Brennpunkt jüdischer wie christlicher Geschichte erneut von jenen Palästinensern ausging, denen Deutschland eine von niemandem wirklich gewollte Zwei-Staaten-Lösung aufzwingen will“. Gemäß Berliner Vorstellung sollten die soeben aus den Geschichtsbüchern gelöschten jüdischen Israelis „Frieden“ schließen. „Zuvor sollten sie natürlich alle ‚illegalen Siedlungen‘ räumen, möglichst auch gleich Tel Aviv , das ebenfalls als ‚Siedlung‘ gilt. Bei der Einweihung einer von Deutschland finanzierten Kläranlage hatte der Bürgermeister der palästinensischen Ortschaft Tulkarm gesagt: ‚Wenn die Juden dann allesamt verschwinden, sollten sie wenigstens den Strom zurücklassen.‘“ (eh)

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