Außenpolitik | 22.11.2016

Setzen sich für engere Beziehungen ihrer beiden Staaten ein: Israels Staatsoberhaupt Rivlin (l.) und Indiens Premier Modi

Setzen sich für engere Beziehungen ihrer beiden Staaten ein: Israels Staatsoberhaupt Rivlin (l.) und Indiens Premier Modi
Foto: Reuven Rivlin, Facebook

Rivlin auf Staatsbesuch in Indien

Israels Staatspräsident Rivlin hat als zweites Staatsoberhaupt seines Landes Indien besucht. Auf der achttägigen Reise schlossen Vertreter beider Seiten Dutzende Abkommen. Unter anderem will sich Israel für die Nahrungsmittelsicherheit in Indien stark machen

NEU DELHI (inn) – Israel und Indien könnten im Bereich der Nahrungsmittelsicherheit „Magie geschehen lassen“. Sei es bei der Züchtung neuer Tomatensorten oder der Ausstattung von Lastkraftwagen mit Solarplatten, um Lebensmittellieferungen kühl und frisch zu lagern. Das hat Israels Staatsoberhaupt Reuven Rivlin am Sonntag bei der Eröffnung der internationalen Messe für Landwirtschaftstechnologien „AgroTech“ in Chandigarh erklärt. Das israelische Staatsoberhaupt hatte die Veranstaltung zusammen mit Indiens Präsidenten Pranab Mukherjee eröffnet.

„Im Nahen Osten und in Israel sind wir immer um die Sicherheit unserer Heimat besorgt. Indien hat uns gelehrt, dass die Nahrungsmittelsicherheit in der Welt eine größere Herausforderung ist. Und deshalb sind wir heute hier“, sagte Rivlin vor Landwirten und Geschäftsleuten auf der Messe. Chandigarh, die Hauptstadt der beiden indischen Bundesstaaten Punjab und Haryana, liegt im Norden des Landes. Die Region gilt als „Brotkorb“ Indiens. An der Messe nahmen 13 Länder teil. Darunter waren die USA, China, Deutschland, Kanada und Großbritannien. Israel stellte auf der „AgroTech“ unter anderem eine Innovation zur Steigerung der Milchproduktion sowie die Züchtung krankheitsresistenter Geflügelarten vor.

Applaus und Lacher hatte Rivlin auf seiner Seite als er erklärte, dass er ein neues Wort auf Hindi gelernt habe: „jugaad“. Es bezeichnet schlaue Lösungen, die aus der Not heraus geboren wurden. Er habe sich in dieses Wort verliebt, sagte Rivlin laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“. Weiter führte er aus: „Der Staat Israel ist jugaad. Das ist der Weg, wie wir denken, wie wir erfinden und arbeiten.“ Er sei der Präsident eines kleinen Landes, das darunter leiden musste, anders zu sein. Die Juden seien aus allen Enden der Welt gekommen, um eine Heimat aus dem Nichts zu errichten, sagte Rivlin weiter.

Mukherjee erklärte, sein Land wachse zu einer Weltmacht heran. Das Wirtschaftswachstum liege derzeit bei durchschnittlich 7,6 Prozent pro Jahr. In diesem Jahr habe Indien rund 270 Millionen Tonnen Lebensmittel produziert. Als die britische Kolonialherrschaft 1947 endete, waren es 50 Millionen Tonnen. Der Präsident lobte die Zusammenarbeit mit dem jüdischen Staat. Sein Land profitiere vor allem von der in Israel entwickelten Tröpfchenbewässerung.

Rivlin und seine Frau Nechama besuchten die Messe im Rahmen einer achttägigen Indienreise, die sie am Montagabend beendeten.

Gedenken an Terror-Opfer

Am Montag besuchte das Ehepaar Rivlin das Chabad-Gebäude in der Küstenstadt Mumbai und zündete dort Kerzen zum Gedenken an. Das jüdische Zentrum und zwei Hotels waren im November 2008 von Terroristen besetzt worden. Insgesamt kamen mehr als 170 Menschen bei den Anschlägen ums Leben, darunter mehrere Israelis.

Bei seinem Staatsbesuch wurde Rivlin von einer Delegation von Geschäftsleuten, Wirtschaftsexperten, Hochschulpräsidenten und Vertretern aus dem Bildungsbereich begleitet. Vertreter beider Seiten unterzeichneten Dutzende Abkommen in den Gebieten Landwirtschaft, Wasseraufbereitung, Biologie, Archäologie und Technologie. Allein mehr als 20 Vereinbarungen wurden im Bereich Bildung geschlossen. Rivlin sagte dazu laut Angaben seines Büros: „Die hier unterzeichneten Abkommen kennzeichnen einen neuen Schritt in der großartigen Partnerschaft zwischen den beiden Staaten. Zehn Prozent der internationalen Studenten und Forscher in Israel kommen aus Indien. 40 gemeinsame Forschungsprojekte werden von beiden Regierungen unterstützt. Diese Beziehung ist gut für beide Seiten. Zusammen sind wir viel stärker, weiser und besser.“

Rivlin kam auch mit dem indischen Premierminister Narendra Modi in dessen Residenz in Neu Delhi zusammen. Dieser sprach sich für einen verstärkten Bildungsaustausch aus. Mehr Inder sollten in Israel studieren. Zudem sollten mehr israelische Dozenten für längere Aufenthalte nach Indien kommen. Indien sei zudem stolz auf seine 2.000 Jahre alte jüdische Gemeinschaft im Land. Diese pflege ihre Traditionen und sei ein lebendiger Teil des kulturellen Mosaiks.

Rivlin betonte, die Zusammenarbeit beider Länder sei nicht nur eine Partnerschaft. „Es ist eine Partnerschaft, die für Israelis und Inder einen Unterschied macht, in dem Wasser, das wir trinken, in den Lebensmitteln, die wir essen, in der Technologie, die wir benutzen und in vielen wichtigen Bereichen unseres Lebens.“ Er zweifle nicht daran, dass sein Besuch auch zu einer Stärkung der Sicherheitszusammenarbeit führen werde, sagte Rivlin weiter. Er lud Modi zu einem Besuch nach Israel ein.

Anlass für die Reise waren die seit fast 25 Jahren bestehenden diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Rivlin ist der zweite israelische Staatspräsident nach Eser Weizman (1997), der Indien besucht. Als erster und bisher einziger Premierminister Israels war Ariel Scharon im Jahr 2003 nach Indien gekommen.

Hintergrund

Indien stellte sich lange Zeit gegen Israel und auf die Seite der Araber und später der Palästinenser. 1947 stimmte es in der UN-Vollversammlung gegen den Teilungsplan für das damalige britische Mandatsgebiet Palästina, der die Gründung je eines Staates für Juden und Araber zum Ziel hatte. 1949 stimmte Indien gegen die Aufnahme Israels in die Vereinten Nationen. Erst 1950 erkannte es den Staat Israel an. Ein Jahr später errichtete Israel im damaligen Bombay sein Konsulat. In den folgenden Jahrzehnten kam es vermehrt zu geheimen Kooperationen, vor allem im Bereich der militärischen Zusammenarbeit. Dabei unterstützte Israel Indien bei seinen Auseinandersetzungen mit China und Pakistan. Der Zusammenbruch der Sowjetunion, das angespannte Verhältnis zu China und zu Pakistan sowie der weltweite Terror führten schließlich dazu, dass sich Indien dem Westen öffnete. 1992 nahmen Israel und Indien offiziell diplomatische Beziehungen auf. Heute ist Indien Israels größter Abnehmer von Rüstungsgütern. (dn)

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