Außenpolitik | 15.09.2016

Wenige Stunden vor seinem Schlaganfall wirkte Peres noch in einem Kurzfilm für Facebook mit

Wenige Stunden vor seinem Schlaganfall wirkte Peres noch in einem Kurzfilm für Facebook mit
Foto: Schimon Peres, Facebook; Screenshot Israelnetz

Genesungswünsche für Peres

Nach seinem Schlaganfall wünschen Politiker im In- und Ausland dem des früheren israelischen Präsidenten baldige Genesung. Für Aufsehen sorgt der Kommentar eines arabischen Knessetabgeordneten.

TEL HASCHOMER (inn) – Am zweiten Tag nach seinem Schlaganfall ist der Zustand des ehemaligen israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres weiter ernst, aber stabil. Das hat der Direktor des Scheba-Krankenhauses in Tel HaSchomer, Se‘ev Feldman, am Donnerstagmorgen mitgeteilt. „Gestern hat sich sein Zustand und seine Aufmerksamkeit verbessert. Seine Reaktionen waren besser. Nach diesem Schema geht es auch heute weiter“, zitiert ihn die Tageszeitung „Yediot Aharonot“.

Indes trafen in Israel Genesungswünsche für den 93-Jährigen aus aller Welt ein, unter anderem aus dem Weißen Haus und der Downing Street in London. Der frühere US-Präsident Bill Clinton erkundigte sich bereits Dienstagnacht mehrere Male telefonisch nach dem Ergehen des berühmten Patienten. Weitere amerikanische Politiker veröffentlichten gute Wünsche über Twitter. Der ehemalige britische Premierminister und Tony Blair meldete sich ebenso zu Wort wie der norwegische Außenminister Børge Brende. Darauf weist die Nachrichtenagentur „Jewish Telegraph Agency“ hin.

Der amerikanische Basketballer Amar’e Stoudemire schrieb: „Ich sende Gebete und wünsche Ihnen eine schnelle Genesung“. Der frühere NBA-Star hatte den Politiker 2013 in Israel getroffen. Im Sommer hat er einen Zweijahresvertrag mit dem Verein Hapoel Jerusalem unterzeichnet. Auch die britisch-iranische Journalistin Christiane Amanpour von CNN äußerte sich über Twitter: „Werden Sie wieder gesund, Schimon Peres, Mann des Friedens“.

Am Mittwochnachmittag besuchte der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu den ehemaligen Präsidenten im Krankenhaus. Nach Gesprächen mit Ärzten und Angehörigen sagte er: „Ich war beeindruckt, dass es ein außergewöhnliches Team gibt, das sich um eine außergewöhnliche Person kümmert. Peres hat eine große Vitalität, er ist jung und energiegeladen. Es gibt Hoffnung.“

Abgeordneter Ghattas: „Peres ist mit Blut bedeckt“

Indes sorgte der arabische Knessetabgeordnete Basel Ghattas (Vereinigte Liste) mit einem Eintrag auf Facebook für Aufsehen. Er schrieb am Mittwoch, Peres sollte für seinen „tyrannischen Charakter“ in Erinnerung bleiben und dafür, dass er „verantwortlich für Kriegsverbrechen gegen uns“ sei. Mit „uns“ bezog sich der Israeli offenbar auf die Palästinenser, merkt die Tageszeitung „Jerusalem Post“ an.

Weiter schrieb Ghattas: „Ist dies das Ende von Peres? Man weiß nie, er ist ein Mann mit sieben Leben. Peres war eine der stärksten Säulen des kolonialistischen zionististischen Siedlungsunternehmens, einer der skrupellosesten und extremsten und schädlichsten für die palästinensische Nation.“ Ohne „unsere direkte oder indirekte Hilfe“ hätte er keinen Friedensnobelpreis erhalten. „Peres ist von Kopf bis Fuß mit unserem Blut bedeckt.“

Kritik aus der Knesset

Mit seinem Kommentar stieß Ghattas bei Abgeordneten des linken und rechten Spektrums auf scharfe Kritik. Itzik Schmuly (Zionistische Union) bezeichnete Ghattas als „kleinen und pathetischer Mann, dessen gesamter Beitrag zur Politik darin besteht, Hass und Zwiespalt zwischen Menschen zu säen, Terror und billige Provokationen zu unterstützen, für die Eigenwerbung. Er ist nicht einmal würdig, Peres‘ Namen auszusprechen“.

Der Generalsekretär der sozialdemokratischen Arbeitspartei, Hilik Bar, sagte, der Beitrag sei „widerlich“ und auch „falsch und voller Hetze“. Er verurteilte die „heuchlerischen Worte von Ghattas“. Dieser habe „nicht ein Tausendstel von dem beigetragen, was Peres getan hat, um das empfindliche Lebensgefüge für Juden und Araber in der israelischen Gesellschaft zu verbessern, und für Koexistenz und Frieden zwischen uns und den Palästinensern“.

Auch Essawi Fredsch von der linksgerichteten „Meretz“ meldete sich zu Wort: „Seine Worte sind unangemessen und kommen von jemandem, der behauptet, der arabischen Gesellschaft in Israel helfen zu wollen. Der Abgeordnete Ghattas will ein weiteres Hindernis vor die Beziehungen zwischen Arabern und Juden legen.“ Er habe die Meinung „einer Minderheit innerhalb der Minderheit der israelischen Araber“ vertreten. Die meisten dieser Bürger wünschten Peres Wohlergehen und schätzten ihn als jemanden, der sein Leben dem Frieden und der Stärkung der Koexistenz gewidmet habe.

Gute Wünsche auch aus dem rechten Spektrum

Amir Ohana von Netanjahus „Likud“ teilte mit, sein politisches Lager sei oft nicht einer Meinung mit Peres, vor allem über die Oslo-Abkommen. Doch es wünsche ihm eine schnelle Genesung, gute Gesundheit und ein langes Leben. Denn er habe immer das gewollt, was gut für Israel sei.

Oded Forrer (Israel Beiteinu) äußerte: „Die Worte, die aus dem Mund eines der gefährlichsten Abgeordneten in Israel kommen, sind Worte von Provokation und Hass von der niedrigsten Sorte.“ Derzeit beteten alle für das Wohlergehen des neunten Präsidenten Schimon Peres. (eh)

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