Außenpolitik | 03.11.2016

Der kanadische Generalgouverneur David Johnston und Staatspräsident Reuven Rivlin

Der kanadische Generalgouverneur David Johnston und Staatspräsident Reuven Rivlin
Foto: Israelisches Präsidialamt

Erstmalig: Kanadischer Generalgouverneur in Israel

Mit David Johnston besucht erstmalig ein kanadischer Generalgouverneur Israel. Er setzt sich für eine Zwei-Staaten-Lösung ein. In seiner Gefolgschaft ist ein palästinensischer Arzt, der bei einem israelischen Angriff drei Töchter verlor.

JERUSALEM (inn) – Kanadas Verpflichtung, mit israelischen, palästinensischen und anderen Partnern an einer Zwei-Staaten-Lösung und einem dauerhaften Frieden zu arbeiten, besteht. Das hat Generalgouverneur David Johnston bei einem Treffen mit dem israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin am Mittwoch gesagt. Der Kanadier, der als erster Generalgouverneur seines Landes nach Israel gekommen ist, befindet sich auf einer achttägigen Reise durch den Nahen Osten.

Gegenüber kanadischen Medien bezeichnete er dieses Gebiet als „sehr herausfordernden Teil der Welt“. Kanada entscheide sich im Nahostkonflikt für keine Seite, sondern sei sowohl mit Israel als auch mit der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) befreundet. Rivlin sah das Treffen als Zeichen für eine noch bessere zukünftige Zusammenarbeit der beiden Länder an.

Johnston traf am Mittwoch auch Premier Benjamin Netanjahu. Die Delegationen unterzeichneten eine Vereinbarung, bei Industrie- und Wissenschaftsfragen sowie bei Forschungsstipendien enger zusammenzuarbeiten, wie das Büro des Premierministers mitteilte.

Kanadas Premier lässt vorfühlen

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau hatte Johnston um die Reise in den Nahen Osten gebeten, um eine politisch ausgewogenere Beurteilung des israelisch-palästinensischen Konflikts auszuloten. Der kanadische Nachrichtensender „CBCNews“ betrachtet Johnstons Reise als „Trockenübung“ für den kanadischen Premier. Dieser war im Oktober bereits kurz in Israel zugegen, um am Begräbnis von Altpräsident Schimon Peres teilzunehmen. Trudeau will sich laut „CBCNews“ von seinem Amtsvorgänger Stephen Harper absetzen, der sich nicht getraut habe, die Israelis für ihre Siedlungspolitik im Westjordanland und in Ostjerusalem zu kritisieren.

Generalgouverneur Johnston erhielt auf seiner Reise durch Israel auch die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Haifa überreicht. Das Technion verlieh die Würde für seinen Beitrag zu den israelisch-kanadischen Beziehungen auf dem Innovationssektor. Johnston nutzte ebenso die Gelegenheit, im „Hain der Nationen“ einen Olivenbaum als Friedenssymbol zu pflanzen. Auch legte er einen Kranz an den Gräbern von Peres und Theodor Herzl, dem Vater des Zionismus , nieder.

Johnston ist Repräsentant der britischen Königin, die das eigentliche Staatsoberhaupt Kanadas ist. Außer Israel besucht der Generalgouverneur auch Jordanien und die palästinensischen Autonomiegebiete . Den PA-Präsidenten Mahmud Abbas trifft Johnston am Freitag.

Palästinensischer Arzt, der drei Töchter verlor

Im kanadischen Gefolge des Generalgouverneurs reiste auch der palästinensische Arzt Eseldin Abu al-Aisch. Er verlor Anfang 2009 während der israelischen Militäroperation „Gegossenes Blei“ gegen die Hamas in Gaza drei seiner Töchter bei einem fälschlich abgeschossenen Panzerfeuer. Staatspräsident Rivlin empfing Al-Aisch in seiner Residenz am Mittwoch, wie die Tageszeitung „Yediot Aharonot“ berichtet.

Der palästinensische Arzt, der nach Kanada ausgewandert ist, verglich den Nahostkonflikt mit einer medizinischen Erkrankung: „Die Krankheit zerstört den Patienten.“ Israel sei krank vor Furcht wegen seiner Geschichte. Die Krankheit der Palästinenser sei die Besatzung. Sorgen mache ihm, dass sich beide Parteien immer weiter voneinander entfernten.

Al-Aisch bedauerte, dass er auf seiner Reise nicht die Möglichkeit hatte, die Gräber seiner Töchter in Gaza zu besuchen. Ihm fehlte in der Kürze der Zeit die Genehmigung, einen Checkpoint zu passieren. Deswegen rief der Arzt dazu auf, Brücken anstatt Checkpoints zu bauen. Als er von der kanadischen Delegation gefragt wurde, ob er sich an der Reise für eine friedliche Koexistenz zwischen Israelis und Palästinensern beteiligen wolle, sei er mit tiefem Stolz erfüllt gewesen: „Ich teile die kanadischen Prinzipien eines sozialistischen Landes. Kanada muss daran arbeiten, die Herzen der Konfliktparteien näher zusammenzubringen.“ (mm)

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