Außenpolitik | 22.11.2016

Der türkische Präsident Erdogan hat sich den Fragen einer israelischen Journalistin gestellt

Der türkische Präsident Erdogan hat sich den Fragen einer israelischen Journalistin gestellt
Foto: Kanal 2; Screenshot Israelnetz

Erdogan bleibt bei Hitler-Israel-Vergleich

Der türkische Präsident Erdogan möchte nach dem Versöhnungsabkommen ein neues Kapitel mit Israel aufschlagen. Das ist für ihn aber kein Anlass, sich von früheren umstrittenen Äußerungen zum jüdischen Staat loszusagen.

ANKARA (inn) – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sieht weiterhin Parallelen zwischen Israels Vorgehen im Gazastreifen im Sommer 2014 und den Taten der Nazis. In einem am Montagabend ausgestrahlten Interview im israelischen Fernsehen entschärfte er zwar den vor mehr als zwei Jahren gezogenen Vergleich, zog ihn aber nicht zurück.

Erdogan hatte als damaliger Premierminister während des Gazakonfliktes vom Sommer 2014 behauptet, Israel sei mit seinen Angriffen auf Terrorziele im Gazastreifen grausamer als Nazideutschland. „Die Israelis haben kein Gewissen, keine Ehre, keinen Stolz. Diejenigen, die Hitler Tag und Nacht verdammen, haben Hitlers Barabarismus übertroffen“, sagte er am 19. Juli 2014. Die Äußerung erfolgte wenige Wochen vor den türkischen Präsidentschaftswahlen am 10. August.

In dem nun geführten „Kanal 2“-Interview mit der Journalistin Ilana Dajan erklärte Erdogan laut der Onlinezeitung „Times of Israel“: „Ich finde nicht gut, was Hitler getan hat, und ich finde auch nicht gut, was Israel im Gazastreifen getan hat. Daher braucht man auch keinen Vergleich anzustellen, was barbarischer ist.“ Er sei sich bewusst, was für einen Schock der Vergleich bei Juden ausgelöst habe, sagte Erdogan weiter. „Aber ist sich die jüdische Gemeinschaft bewusst, was in Gaza passierte? Tausende Menschen wurden in Gaza und Palästina bombardiert.“

Erdogan: Mit Hamas verhandeln

Erdogan betonte außerdem, die islamistische Hamas sei keine Terrorgruppe, sondern eine „legitime politische Partei“. Israel und die Türkei verhandeln derzeit im Rahmen des Versöhnungsabkommens um eine Aufhebung der Gazablockade. Israel hält diese aufrecht, um den Waren- und Personenverkehr kontrollieren zu können. Erdogan wich der Frage aus, warum er denke, die Hamas werde eine Aufhebung der Blockade nicht für die Einfuhr von Waffen gegen Israel verwenden. Für die beiden im Gazastreifen vermissten israelischen Soldaten Hadar Goldin und Oron Schaul empfahl Erdogan die Freigabe palästinensischer Gefangener in israelischen Gefängnissen.

Der türkische Präsident sagte in dem Interview, er wolle nun infolge des Versöhnungsabkommens ein „neues Kapitel“ der Beziehungen zu Israel beginnen. Zum Zerwürfnis kam es nach einer israelischen Razzia auf dem Schiff „Mavi Marmara“, das die Gazablockade durchbrechen sollte. Bei der Razzia starben zehn Türken, nachdem die Besatzung die israelischen Soldaten überraschend angegriffen hatte. Erdogan bestritt in dem Interview, die Besatzung habe die Israelis provoziert. Auf Videoaufnahmen der Armee, die Dajan ihm vorführte, sind die Angriffe auf die Soldaten jedoch zu erkennen. (df)

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