Arabische Welt | 28.11.2016

Viele Flüchtlinge im Libanon blicken in eine unsichere Zukunft (Symbolbild)

Viele Flüchtlinge im Libanon blicken in eine unsichere Zukunft (Symbolbild)
Foto: Israelnetz/Jonathan Steinert

Libanon stoppt Mauerbau an palästinensischem Flüchtlingslager

Der Libanon hat den Bau einer Mauer nahe des größten palästinensischen Flüchtlingslagers nach Protesten von Bewohnern gestoppt. Die Mauer im Süden soll das Land vor der Unterwanderung durch Terroristen schützen. Verantwortliche sollen nun eine andere Sicherheitsstrategie planen.

SIDON (inn) – Die libanesische Armee hat den Bau einer Betonmauer um Teile des palästinensischen Flüchtlingslagers Ain al-Hilweh vorerst gestoppt. Darüber informierte sie die palästinensische Führung im Libanon, berichtet die Tageszeitung „Jerusalem Post“. Die Mauer solle Dschihadisten aufhalten. Das nahe der südlichen Küstenstadt Sidon liegende, überfüllte Lager wurde in den vergangenen Jahren bekannt als Rückzugsort für muslimische Extremisten.

Tausende Bewohner von Ain al-Hilweh hatten im Flüchtlingscamp und bei den bereits gebauten Teilen gegen die Mauer protestiert. Auf ihren Plakaten sprachen sie unter anderem von der „Mauer der Schande“. In dem Lager leben vor allem palästinensische, aber auch syrische Flüchtlinge.

Palästinenser hatten Bau erst zugestimmt

Oberst Chader Hamud von der libanesischen Armee habe die palästinensischen Vertreter informiert, dass die Streitkräfte „positiv auf die Forderung der palästinensischen Führung reagiert und den Bau der Mauer gestoppt haben“, machte die palästinensische Führung im Libanon in einer Erklärung öffentlich. Die Palästinenser hatten dem Bau ursprünglich zugestimmt, später aber die libanesischen Behörden gebeten, das Vorhaben zu überdenken, heißt es weiter in der „Jerusalem Post“.

In den kommenden zwei Wochen wolle die palästinensische Führung einen Bericht vorlegen, wie sie zukünftig mit der Sicherheitslage in den libanesischen Camps, besonders in Ain al-Hilweh, umgehen will. Dies soll nach dem geplanten Fatah-Kongress diese Woche passieren, bei dem das Zentralkomitee und der Revolutionsrat gewählt und Strategien für die kommenden fünf Jahre entwickelt werden sollen. Sie lobte die Bewohner für den Protest in einer „friedlichen und zivilisierten Weise“.

Libanesisches Militär darf Flüchtlingslager nicht betreten

Die Sicherheitslage in dem Flüchtlingslager ist kritisch. Im vergangenen Jahr gab es auch tödliche Auseinandersetzungen zwischen der islamistischen Gruppe „Dschund al-Scham“ und Mitgliedern der Fatah. Zuvor wurde dort der Fatah-Anführer Talal Balawna getötet. Palästinensische Vertreter, wie der für palästinensische Beziehungen im Libanon zuständige Assam al-Ahmed, bezeichneten die Sicherheitslage in dem Lager als „stabil, trotz der Versuche von Terrorgruppen, das Lager zu unterwandern“.

Das libanesische Militär hat keine offizielle Erlaubnis, die palästinensischen Flüchtlingscamps zu betreten, sondern besetzt Posten, die außerhalb liegen. Laut dem Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) leben über 61.000 Flüchtlinge in Ain al-Hilweh, darunter 6.000 Menschen, die aus Syrien geflohen sind. Laut dem Sender „Al-Dschasira“ sind es über 70.000 Menschen. (mab)

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