Arabische Welt | 23.11.2016

Zum Schutz der libanesischen Küstenstadt Sidon baut das Land eine Mauer an ein palästinensisches Flüchtlingscamp

Zum Schutz der libanesischen Küstenstadt Sidon baut das Land eine Mauer an ein palästinensisches Flüchtlingscamp
Foto: Heather Cowper, flickr | CC BY 2.0

Libanon baut Mauer an palästinensisches Flüchtlingscamp

In den Sozialen Medien werden bereits Vergleiche zu den Übergängen zum Westjordanland gezogen: Der Libanon baut eine Mauer an ein palästinensisches Flüchtlingscamp. Es soll das Land vor Unterwanderungen durch Terroristen schützen.

SIDON (inn) – Der Libanon baut in der Nähe des größten palästinensischen Flüchtlingslagers des Landes eine Mauer. Sie soll Dschihadisten aufhalten, berichtet die Online-Zeitung „Times of Israel“. Das überfüllte Lager „Ain al-Hilweh“ liegt nahe der südlichen Küstenstadt Sidon. In den vergangenen Jahren wurde es bekannt als Rückzugsort für muslimische Extremisten.

Im vergangenen Jahr gab es dort auch tödliche Auseinandersetzungen zwischen der islamistischen Gruppe „Dschund al-Scham“ und Mitgliedern der Fatah. „Der Mauerbau läuft schon seit längerem“, heißt es aus dem libanesischen Militär. Die terroristische Unterwanderung des Flüchtlingscamp zu stoppen, sei das Ziel. Die Sicherheitsmaßnahme ist eine Reaktion auf festgenommene Terroristen, die im Camp Unterschlupf gefunden hatten. Es soll die Palästinenser nicht in ihrer Bewegung einschließen, die weiterhin das Lager verlassen können, sondern zur westlichen Seite ein Schutz für den Libanon darstellen.

Auf Bildern haben Journalisten der „Times of Israel“ Kräne bei der Arbeit gesehen. Auch ein Wachturm soll schon stehen. Die Bauzeit soll 15 Monate betragen. In den sozialen Netzwerken wird die Mauer bereits mit den israelischen Sicherheitsmaßnahmen im Westjordanland verglichen. Ein offizieller Camp-Vertreter, Fuad Othman, nannte die Mauer eine Provokation.

Psychologischer Druck befürchtet

Generalmajor Munir al-Makdah, der Chef der palästinensischen Sicherheitskräfte im Libanon, hat den Mauerbau kritisiert: „Die schon stehenden Mauerelemente verursachen bei den palästinensischen Flüchtlingen psychologischen Druck.“ Mauer und Wachturm hätte es nie gebraucht, wenn der Libanon vor Jahren eine vernünftige Lösung für die Palästinenser im Libanon gefunden hätte.

Das libanesische Militär hat keine offizielle Erlaubnis, die palästinensischen Flüchtlingscamps zu betreten, sondern besetzt Posten, die außerhalb liegen. Laut dem Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) leben über 61.000 Flüchtlinge in „Ain al-Hilweh“, darunter 6.000 Menschen, die aus Syrien geflohen sind. Insgesamt gibt es laut UNRWA rund 450.000 registrierte palästinensische Flüchtlinge im Libanon. Sie dürfen weder studieren noch arbeiten oder Land erwerben. (mm)

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