Arabische Welt | 08.09.2016

„Maulwurf“, „Abbas“, „Damaskus“ und „Agent“: Eine Archivnotiz gibt Aufschluss über Abbas' sowjetische Umtriebe

„Maulwurf“, „Abbas“, „Damaskus“ und „Agent“: Eine Archivnotiz gibt Aufschluss über Abbas ' sowjetische Umtriebe
Foto: Kanal 1; Screenshot Ulrich W. Sahm

Berichte: Abbas war KGB-Agent

Verwegene Vergangenheit: Einem Medienbericht zufolge war Palästinenserpräsident Abbas einst Agent des sowjetischen Geheimdienstes KGB. Die Palästinenser weisen das zurück und sprechen von einer „Schmierenkampagne“.

Der sowjetische Geheimdienst KGB (Komitee für Staatssicherheit) hat offenbar Mahmud Abbas angeheuert. Das sagen israelische Journalisten in einem Bericht des israelischen Senders „Kanal 1“ vom Mittwoch. Der jetzige palästinensische Präsident hatte seinen Doktor 1982 in Moskau gemacht. In der Arbeit geht es darum, dass es in Auschwitz keine Gaskammern gegeben habe. Ein Jahr später, in Damaskus, wurde Abbas gemäß „höchst glaubwürdigen“ Dokumenten als KGB-Agent geführt.

Vasily Mitrochin, der von 1972 bis 1984 als KGB-Archivar arbeitete, hatte die Dokumente ins Ausland geschmuggelt, weil er von der Sowjetunion enttäuscht war. Das hat der israelische Journalist Gideon Remes aufgedeckt. Er ist Autor des Buches „Foxbats over Dimona“ zur sowjetischen Atompolitik in Nahost während des Sechs-Tage-Krieges von 1967. Ein Agentenkollege des KGB in Damaskus 1983 war Michail Bogdanov, heute Wladimir Putins Sonderbotschafter in Nahost.

Kurzes Engagement

Das Archivmaterial wird heute in der britischen Universität Cambridge aufbewahrt. Dem Fernsehbericht zufolge gibt es keine Hinweise, dass Abbas auch nach 1983 in den Diensten des KGB stand, als er sich in das damalige Hauptquartier Jasser Arafats und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) in Tunis begab.

In ersten Reaktionen hieß es, dass die radikal-islamische Hamas bei den bevorstehenden Kommunalwahlen in den palästinensischen Gebieten die KGB-Vergangenheit des Präsidenten gegen ihn verwenden werde. Ein palästinensisches Gericht hat die für Oktober angesetzten Wahlen allerdings am Donnerstag in einer vorläufigen Verfügung auf unbestimmte Zeit verschoben. In Ramallah wurde die Information als „zionistische Verschwörungstheorie“ abgetan. Diese „Schmierenkampagne“ wolle die Vermittlungsbemühungen Moskaus zwischen Israelis und Palästinensern torpedieren.

Der israelische Journalist Oren Nahari erklärte im Fernsehen, dass der israelische Geheimdienst vermutlich seit den 1990er Jahren von dieser Vergangenheit von Abbas gewusst habe und deshalb nicht überrascht gewesen sei. Unklar – so Nahari – sei, wie Abbas selber mit dem Wissen umgegangen sei, dass es in den KGB-Archiven eine Akte mit seinem Namen und dem Agentenname „Krotov“ (Maulwurf) gab. (uws)

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